Veröffentlichungsinfo zu
Concrete Underpass – Orange (Songs, your new boyfriend is too stupid to understand!)

Das zweite Leben der Band Concrete Underpass (gegründet 1988) scheint intensiver zu sein, als ihr erstes Erscheinen in den 80er und 90er Jahren. Hatte die Band damals immerhin 10 Jahre für zwei reguläre Veröffentlichungen gebraucht (Debüt-LP „To wipe out mistakes“ in 6-köpfiger Urbesetzung (1991) und „Nailed“ in der wieder aktuellen Besetzung mit Zaam, Idd, Kain und Chrom (1997), bringt die Band nun mit den aktuellen Aufnahmen auf „Orange – Songs, your new boyfriend is too stupid to understand!“ bereits das zweite Lebenszeichen seit ihrer Wiedervereinigung im Jahr 2008 heraus. Die deutschsprachige Konzept-Kompilation „Die Welt“ wurde 2010 lediglich online im Rahmen eines lokalen Projekts mit befreundeten Musikern veröffentlicht (mehr auf www.planet-pe.de ).

Concrete Underpass sind sich treu geblieben und haben dennoch in vielen Stücken Neuland betreten: die Tracklist des aktuellen Albums zeigt auf der einen Seite die Vielfalt ihres musikalischen Spektrums und erwartet den Hörer andererseits mit eingängigen Refrains, die sich unvermittelt aus verschrobenen, vertrackten Songs schälen. „What Cage“, der Opener ist ein Song, den die Band bereits in ihrer ersten Schaffensphase häufig live spielte und der immer noch zum gesetzten Kapitel ihrer Auftritte zählt. Aggressiv und gleichzeitig melancholisch setzt der Song ein erstes Zeichen. Mit „Bittersweet“ wagt die Band etwas Neues: Ein Piano teilt sich den Löwenanteil der Melodie mit den Riffs von Gitarre und Bass. Obwohl eher im Midtempo-Bereich angesiedelt, vermitteln die zweifelnden Lyrics von Kain eine Bedrohung, die kurz vor einer Eruption zu stehen scheint.

Mit „After getting drunk in Beijing“ haben Concrete Underpass vielleicht ihren bisher größten Popsong geschrieben: Dynamisch reißt die instrumentale Bridge den Hörer aus den teils autobiografisch gehaltenen Strophenteilen und öffnet sich in einen melodischen Refrain mit der Sehnsucht nach der ganz großen Schönheit. Die Band setzt hier, wie auch in einigen anderen Songs, auf den präsenten Einsatz von Samples, was der Musik noch eine weitere klangliche Ebene verschafft.

„The Veil“ knüpft an den vorhergehenden Track an und beinhaltet mit seiner leicht orientalischen Klangfarbe ein wiederkehrendes Stilmerkmal der aktuellen Veröffentlichung. Textlich sicher ein Lovesong, wenn auch weit entfernt von standarisierten „I love you more then I can say“-Lyrics, wie überhaupt die Texte von Kain eher mäandernde Assoziationsketten sind, als eindeutige philosophische Statements oder strukturierte Narrationen. Auch hier, wie in der Musik, werden Brüche akzeptiert und Leerstellen zugelassen.

Besonders deutlich wird dieser Aspekt in dem Track „Cascade“, der der vielleicht reduzierteste Song in der Historie der Band ist. Bevor sich ein „Wall of Sound Inferno“ Bahn bricht, sind Kains Stimme und Chroms Gitarre auf intime Weise im Vordergrund. Über weite Strecken scheinen die zwei Musiker allein mit den seltsamen Lyrics des Stückes zu sein. Gesanglich wagen Concrete Underpass hier definitiv Neuland: mehrere Male scheint die Stimme sich so weit zurückzunehmen, dass sie nur noch ein Flüstern ist, um letztendlich jedoch wieder aus der Enge hervorzubrechen und fast die emotionale Kontrolle zu verlieren.

Von Tablas getragen und mit dichter perkussiver Grundstimmung kommt „Ghosts“ daher. Auch hier scheint asiatische oder orientalische Klanggestaltung die Band beeinflusst zu haben. Alptraumhaft erzählt der Song vom Ende: Schmerz, Tod und Vergänglichkeit stehen lyrisch im Kontrast zum melodiösen Refrain, der sich immer höher zu schrauben scheint. Hier zeigen Concrete Underpass deutlich woher sie musikalisch kommen, denn teilweise erinnert die Stimmung des Songs an die Experimente der Band in den Neunzigern. Gleichzeitig bricht der Song jedoch immer wieder mit den Erwartungen des Hörers und wird so zu einem vielschichtigen, nicht leicht zu konsumierenden apokalyptischen Trip.

Der kürzeste Song in der Geschichte der Band ist der straighte Punkrocker „Orange (Hell o fit)“, bei dem die Band die Zügel loslässt und in Hochgeschwindigkeit durch die gradlinige Struktur des Stückes fräst. Nicht nur Titelsong des Albums, sondern auch der schönste Anti-Lovesong, den Kain bisher getextet hat.

Mit „Without you no sound no wound“ findet sich ein weiterer Song am Ende des Albums, der auch früher schon bei wenigen Konzerten live gespielt wurde. Die neue, extrem reduzierte Groove-Version, die sich nun hier auf den Aufnahmen befindet, ist jedoch so noch nie an die Öffentlichkeit gebracht worden. Hier geht es nur um Energie und Rohheit, ohne jedoch in dumpfe Aggression zu verfallen. Ein würdiger Abschluss für das neue Lebenszeichen von Concrete Underpass.

Alle Songs werden von befreundeten Künstlern (u. a. aus Chile, Brasilien, Portugal und Italien) auch im Medium Video interpretiert, sodass zur Kleinstauflage physischer Tonträger auch eine Video-Kompilation auf DVD erscheinen wird.

Releasedate von „Orange – Songs, your new boyfriend is too stupid to understand“ ist der 07.09.2012.

http://www.concreteunderpass.de
http://de-de.facebook.com/concreteunderpass

 

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